Reihe

27 April 2014

Warum Theaterwissenschaft wichtig ist #05

FormLos ist aktiv im Kampf gegen die Schließung des Leipziger Instituts für Theaterwissenschaft. Mit der Reihe „Warum Theaterwissenschaft wichtig ist“ nehmen wir unseren persönlichen Bezug in den Fokus und unterstreichen damit, warum die Schließung keine Option ist.

Heute: Miriam.
Zugegeben, ich habe gekämpft die ersten Semester. Gestöhnt unter Müller, geächzt unter Brecht und gejammert zu Benjamin. Ich habe versucht, den Bogen zu verstehen, den die Theaterwissenschaft offensichtlich zog und den ich offensichtlich nicht verstand. Es dauerte bis etwa ins dritte Semester, bis die Erkenntnis langsam kam: Kind, dir wird hier nichts vorgekaut, den Bogen musst du dir selbst ziehen. Seitdem hat die Theaterwissenschaft mir eine Art der Freiheit bereitgestellt, die ich immer genossen habe. Die Freiheit, selbst zu wählen, zu denken und zu verknüpfen, Seh-Erfahrungen zu sammeln, Statements zu überdenken oder harsch zu verteidigen, zu diskutieren, zu reflektieren und sich auch mal kurz ganz schön dumm zu fühlen und das okay zu finden – denn um daran zu arbeiten, sitzt man schließlich in dieser sog. „Volluniversität“. Die Freiheit, interdisziplinär zu arbeiten und zu forschen und die Freiheit, sich aktiv dagegen zu entscheiden (selbst, wenn man keine „Angewandte Theaterwissenschaft“ studiert). Ich bin tatsächlich ziemlich großer Fan all der Freiheiten, die mir das Fach geschenkt hat. Es hat mich um allerhand großartiger Perspektiven, Menschen und mir wichtig gewordener Fähigkeiten bereichert. Und auch wenn ich mir zuweilen mehr Praxisbezug gewünscht hätte, so ist es mir immer noch ein Rätsel, warum man mehr als funktionale Muskelgruppen entfernen sollte, um einen Körper zu retten. Training fänd ich da ja weitaus sinniger.

Miriam wohnt momentan in Berlin, um am Internationalen Theaterinstitut den vermissten Praxisbezug aufzuarbeiten, schreibt im Sommer ihre Masterarbeit zu Ende und marschiert dann frohen Mutes in die Welt, versucht dabei aber, dem Erwachsen-werden noch ein wenig länger gekonnt aus dem Weg zu gehen.

Der Hintergrund: Am 14. Januar 2014 gab das Rektorat der Universität Leipzig bekannt, dass drei von insgesamt vier ProfessorInnenstellen des theaterwissenschaftlichen Institutes an der Universität Leipzig gestrichen werden sollen. Damit droht dem Leipziger Institut für Theaterwissenschaft die Schließung. Zahlreiche namhafte Personen aus Kultur und Gesellschaft haben sich bereits öffentlich dagegen ausgesprochen. Der Fachschaftsrat der Theaterwissenschaft demonstriert zusammen mit den Studierenden konstant und massiv. Und auch FormLos geht auf die Barrikaden. Wir schütteln den Kopf über soviel Ignoranz und Blindheit gegenüber einem Studiengang, der maßgeblich zur Sicherung einer vielfältigen, kreativen, pulsierenden und kritischen kreativen Szene nicht nur in der Stadt, sondern auch überregional beiträgt!

GROßE DEMO GEGEN DIE KÜRZUNGEN | 25.06. 14 Uhr, Augustusplatz – HIN DA!

Jetzt die Petition für den Erhalt des Instituts der Theaterwissenschaft in Leipzig unterschreiben!



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